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B2B auf Shopify Plus einrichten: Der praxisnahe Guide 2026

Companies, Catalogs, Payment Terms, Vaulted Cards: die nativen B2B-Features von Shopify Plus 2026, mit Einrichtung, Kosten und wann sich Plus lohnt.

Justin KreutzmannJustin Kreutzmann15 min Lesezeit

B2B auf Shopify war jahrelang ein schmerzhafter Kompromiss: Entweder ein separater Wholesale-Channel, der kaum gepflegt wurde, oder teure Third-Party-Apps mit Monatsgebühren, die sich nie ganz wie ein echter B2B-Shop anfühlten. Seit Shopify Plus B2B on Shopify als natives Feature eingeführt hat, hat sich das fundamental geändert.

Im April 2026 hat Shopify einen weiteren Schritt gemacht: Grundlegende B2B-Features (Companies, Catalogs, Payment Terms) sind jetzt auch auf kleineren Plänen verfügbar. Trotzdem bleibt Shopify Plus die richtige Wahl für alle, die B2B ernsthaft skalieren wollen. In diesem Artikel erkläre ich genau, wann und warum.

Das Wichtigste in Kürze

  • Shopify Plus kostet ab 2.300 USD/Monat (3-Jahresvertrag): B2B-Features sind ohne Aufpreis enthalten.
  • Companies, Catalogs und Payment Terms (Net 30/60/90) sind nativ eingebaut: keine App nötig.
  • Seit April 2026 sind Basic-B2B-Features auch auf kleineren Plänen verfügbar, mit 3 aktiven Katalogen statt unbegrenzt.
  • Vaulted Cards ermöglichen B2B-Käufern gespeicherte Zahlungsmittel für schnellere Wiederbestellungen.
  • Blended Store (B2B + B2C) funktioniert für 90 % der Fälle. Dedicated Store lohnt erst bei komplexen Anforderungen.
  • ERP-Integration sollte von Anfang an mitgedacht werden: Shopify ist die Bestellfront, nicht die Wahrheitsquelle.

Was sich seit 2024 geändert hat

B2B on Shopify ist kein Neuling mehr, aber die Plattform entwickelt sich schnell. Was 2026 anders ist als noch 2023:

Feature20232026
Payment TermsNet 30, Net 60Net 30, 60, 90 + Due on Fulfillment
Vaulted CardsNicht verfügbarVollständig unterstützt
Quick Order / Bulk AddNur über AppsNativ auf Collection Pages
VerfügbarkeitNur PlusBasic-Features auf allen Plänen
Mindest-Kataloge (Non-Plus)entfällt3 aktive Kataloge

Die fünf Kernfeatures im Detail

1. Companies (Unternehmensprofile)

Statt einzelner Kundenkonten verwalten Sie bei B2B on Shopify Unternehmen mit mehreren Kontaktpersonen (Einkäufer). Das klingt simpel, hat aber erhebliche Konsequenzen:

  • Alle Einkäufer eines Unternehmens sehen automatisch die gleichen Unternehmenspreise
  • Bestellhistorie ist auf Unternehmensebene aggregiert
  • Rechnungsadressen und Lieferadressen werden getrennt verwaltet
  • USt-IdNr. wird über das VIES-System automatisch validiert (EU)

Ein Unternehmen kann mehrere Standorte haben, jeder Standort eigene Lieferadressen und, falls nötig, eigene Zahlungsbedingungen.

2. Catalogs und Preislisten

Das Herzstück. Jeder Katalog enthält eine Preisliste, die auf drei Arten funktioniert:

Katalog: "Silber-Partner"
├── Alle Produkte: -20 % auf UVP
└── Produkt-Ausnahmen:
    ├── Neuheiten: kein Rabatt
    └── Auslaufmodelle: -35 %
 
Katalog: "Gold-Partner"
├── Alle Produkte: -30 % auf UVP
├── Exklusive Produkte (nur für Gold sichtbar)
└── Mengenstaffel:
    ├── ab 10 Stück: weiteres -5 %
    └── ab 50 Stück: weiteres -8 %

Preisgestaltungsoptionen im Überblick:

PreistypBeschreibungGeeignet für
Prozentualer Abschlag-X % auf regulären PreisStandardgroßhandel
Fester PreisExakter Preis pro VarianteVerhandelte Konditionen
MengenstaffelPreis ab X StückVolumengeschäft
WährungsspezifischAndere Währung im KatalogInternational

3. Payment Terms

Zahlungsziele sind das zentrale B2B-Feature, das den nativen Checkout von der B2C-Welt trennt. Shopify unterstützt:

  • Net 15 / 30 / 60 / 90: Zahlung innerhalb von X Tagen nach Bestelldatum
  • Due on Fulfillment: Zahlung bei Versand
  • Due on Receipt: Zahlung bei Lieferung

Shopify sendet automatische Zahlungserinnerungen bei überfälligen Rechnungen. Für rechtskonforme Rechnungen mit MwSt.-Ausweis brauchen Sie allerdings eine Ergänzung. Mehr dazu weiter unten.

ab 2.300 $
Shopify Plus pro Monat3-Jahresvertrag, Stand 2026
0 %
Aufpreis für B2B-FeaturesIn Plus-Abo enthalten
3
Kostenlose Kataloge auf Non-PlusSeit April 2026

4. Vaulted Cards

Seit 2025 können B2B-Käufer ihre Kreditkarte im Checkout speichern, ähnlich wie Shop Pay, aber für das Unternehmenskonto. Das klingt wie ein Detail, ist aber ein echter Hebel für die Wiederbestellrate: Kein Suchen nach Kartendaten, kein Wechsel zwischen Tabs.

Im Admin können Händler hinterlegte Karten auch für Draft Orders verwenden, relevant für Sales-Teams, die telefonische Bestellungen aufnehmen.

5. Bulk Quick Add und Quick Order

Auf Collection Pages können B2B-Einkäufer jetzt direkt Mengen eintragen und mehrere Varianten gleichzeitig in den Warenkorb legen, ohne jedes Produkt einzeln aufrufen zu müssen. Das ist native Funktionalität, für die 2023 noch eine App nötig war.

Blended Store oder Dedicated Store?

Die wichtigste strategische Entscheidung, bevor Sie mit der Einrichtung beginnen.

Blended Store (B2B + B2C)

  • Ein Shop, ein Inventar, ein Admin
  • B2B-Einkäufer sehen nach Login ihre Unternehmenspreise
  • Geringere Pflegekosten
  • Für 90 % der Fälle ausreichend

Dedicated B2B Store

  • Theme muss B2B-Elemente korrekt behandeln (Nettopreise, Mindestmenge)
  • UX-Kompromisse zwischen B2C und B2B
  • Weniger Gestaltungsfreiheit im B2B-Bereich

Meine Empfehlung: Starten Sie mit einem Blended Store. Ein Dedicated Store lohnt sich erst, wenn Sie komplett unterschiedliche Produktsortimente oder Preisstrukturen haben, die sich nicht mit Katalogen abbilden lassen, oder wenn Ihr B2B-Geschäft so komplex ist, dass eine eigene Customer Journey (Quick Order, Auftragsverwaltung, Dokumenten-Download) notwendig ist.

Einrichtung Schritt für Schritt

  1. B2B aktivieren

    Einstellungen → B2B → B2B on Shopify aktivieren. Wählen Sie hier auch die Standard-Zahlungsbedingungen, die neue Unternehmen initial erhalten sollen.

  2. Erstes Unternehmen anlegen

    Kunden → Unternehmen → Unternehmen hinzufügen. Erfassen Sie: Firmenname, USt-IdNr. (wird automatisch über VIES validiert), Rechnungsadresse, erste Kontaktperson mit E-Mail-Adresse.

  3. Katalog erstellen

    Produkte → Kataloge → Katalog erstellen. Vergeben Sie einen sprechenden Namen (z.B. "Standardgroßhandel -25 %"), wählen Sie Produkte und definieren Sie die Preislogik: entweder Gesamtrabatt oder individuelle Preise.

  4. Katalog dem Unternehmen zuweisen

    Zurück zum Unternehmen → Kataloge → Katalog hinzufügen. Ab diesem Moment sehen alle Einkäufer des Unternehmens die Katalogpreise nach Login.

  5. Zahlungsbedingungen festlegen

    Im Unternehmensprofil unter Zahlungsbedingungen das gewünschte Zahlungsziel auswählen. Individuell pro Unternehmen einstellbar.

  6. Theme B2B-ready machen

    Prüfen Sie, ob Ihr Theme Nettopreise für B2B-Kunden korrekt darstellt und ob die Quick-Order-Funktion aktiviert ist. Falls nicht: Theme-Anpassung oder B2B-spezifisches Theme einsetzen.

Theme-Anpassungen für B2B

Ihr Theme muss wissen, wann es einen B2B-Kunden vor sich hat. Shopify stellt dafür das customer.b2b?-Flag bereit.

sections/product-template.liquid
{% comment %} Preisanzeige je nach Kundentyp {% endcomment %}
{% if customer.b2b? %}
  <div class="price-b2b">
    <span class="price-b2b__net">{{ product.price | money }} zzgl. MwSt.</span>
    {% if product.compare_at_price > product.price %}
      <span class="price-b2b__uvp">UVP: {{ product.compare_at_price | money }}</span>
    {% endif %}
  </div>
{% else %}
  <div class="price-b2c">
    <span>{{ product.price | money }} inkl. MwSt.</span>
  </div>
{% endif %}

Für die Schnellbestellung auf der Produktseite:

snippets/quick-order-form.liquid
{% comment %} Quick-Order nur für eingeloggte B2B-Kunden {% endcomment %}
{% if customer.b2b? %}
  <form action="/cart/add" method="post" id="quick-order-{{ product.id }}">
    {% for variant in product.variants %}
      <div class="quick-order__row">
        <label class="quick-order__label">{{ variant.title }}</label>
        <span class="quick-order__price">{{ variant.price | money }}</span>
        <input
          class="quick-order__qty"
          type="number"
          name="items[][quantity]"
          min="0"
          value="0"
          inputmode="numeric"
        >
        <input type="hidden" name="items[][id]" value="{{ variant.id }}">
      </div>
    {% endfor %}
    <button type="submit" class="quick-order__submit">Alle hinzufügen</button>
  </form>
{% endif %}

ERP-Integration: Von Anfang an mitdenken

Das ist der Punkt, den ich in fast jedem B2B-Projekt zu spät angesprochen sehe: Shopify ist die Bestellfront. Ihr ERP ist die Wahrheitsquelle für Preise, Lagerbestand und Debitoren.

Wenn Sie eine ERP-Anbindung (SAP, Microsoft Dynamics, Lexware, DATEV-Schnittstelle) planen, bestimmt das die Architektur Ihrer B2B-Einrichtung:

Wer besitzt die Preise?

  • Shopify Catalogs sind die Quelle → ERP synchronisiert ab
  • ERP ist die Quelle → Preise werden über API in Shopify-Kataloge geschrieben

Wer besitzt die Kundenstammdaten?

  • Neue Companies in Shopify → per Webhook ins CRM/ERP
  • Bestehende Debitorennummern im ERP → Mapping auf Shopify Companies

Wer besitzt den Bestellstatus?

  • Shopify Orders → per Webhook ins ERP (typisch)
  • ERP gibt Versandinformationen zurück → Shopify Fulfillment API
Webhook-Handler: Neue Company ins CRM
// Beispiel: Shopify Webhook bei neuer Company -> CRM-API
export async function handleCompanyCreate(payload) {
  const { company } = payload;
 
  await crmApi.createAccount({
    name: company.name,
    externalRef: company.id,
    vatId: company.taxExemptions?.[0] ?? null,
    billingAddress: company.mainContact?.billingAddress,
  });
}

Mehr zur technischen ERP-Integration: Shopify ERP-Integration: Praxisleitfaden

Rechnungsstellung: Die häufigste Falle

Shopify erstellt keine gesetzeskonformen Rechnungen mit Pflichtangaben (Rechnungsnummer, MwSt.-Ausweis, Steuernummer des Empfängers). Das müssen Sie separat lösen:

LösungKostenGeeignet für
Shopify Order Printer (angepasst)KostenlosEinfache Anforderungen
Sufio / Order Printer Pro20 bis 50 $/MonatStandard-B2B
ERP-RechnungsstellungIm ERP-AboKomplexe B2B-Strukturen
Custom AppEinmalig 2.000 bis 5.000 €Sehr spezifische Anforderungen

Kosten und Break-Even

Shopify Plus kostet ab 2.300 USD/Monat (3-Jahresvertrag) bzw. 2.500 USD (1-Jahresvertrag). In Europa gelten regionale Preise:

Region3-Jahresvertrag1-Jahresvertrag
USA2.300 $2.500 $
Deutschland / EU2.100 €2.250 €
Großbritannien1.800 £1.950 £

Darin enthalten: B2B-Features ohne Aufpreis, 9 Expansion Stores, Shopify Flow, Shopify POS Pro, dedizierter Merchant-Success-Manager.

Typische Einsparungen nach Plus-Migration:

Vorher (typischer Mid-Market-Händler):
  Wholesale-App:          €199/Monat
  B2B-Preislisten-App:    €79/Monat
  Quick Order App:        €49/Monat
  Manueller Aufwand:      12h × €65 = €780/Monat
  ─────────────────────────────────
  Gesamt:                 ~€1.107/Monat
 
Nachher (Shopify Plus, native B2B):
  Alle Apps ersetzt:      €0 zusätzlich
  Zeitersparnis:          ca. 8h/Monat
  Einsparung gegenüber Plus-Preis: variiert

Die Break-Even-Berechnung hängt von Ihrem aktuellen App-Stack und manuellem Aufwand ab. In meiner Praxis amortisiert sich Plus bei Händlern mit aktivem B2B-Geschäft innerhalb von 3 bis 6 Monaten, meist durch Kombination aus eingesparten App-Kosten, weniger manuellen Fehlern und schnellerem Kunden-Onboarding.

Wann Shopify Plus (noch) nicht die richtige Wahl ist

Ehrlichkeit gehört dazu: Plus lohnt sich nicht immer.

Plus macht Sinn, wenn...

  • B2B-Umsatz > 500.000 EUR/Jahr
  • Mehr als 10 aktive Großhandelskunden
  • ERP-Integration benötigt wird
  • Checkout-Anpassungen (Validation, Custom Fields) nötig sind
  • Automation via Flow skaliert werden soll

Plus lohnt sich noch nicht, wenn...

  • B2B noch in der Testphase, wenige Kunden
  • Einfache Rabattlogik reicht aus
  • Kein ERP, kein Automatisierungsbedarf
  • Budget unter 2.000 EUR/Monat für Plattformkosten

Für den Einstieg: Seit April 2026 können Sie mit den Basic-B2B-Features auf kleineren Plänen starten, mit bis zu 3 aktiven Katalogen, Companies und Payment Terms. Das reicht für erste 5 bis 15 Großhandelskunden völlig aus.

Fazit: Native B2B ist ausgereift, aber Architektur bleibt Handarbeit

Shopify Plus B2B ist 2026 keine Nischenlösung mehr. Für D2C-Brands mit wachsendem Wholesale-Geschäft und für mittelständische Hersteller, die ihre Händler digital anbinden wollen, ist es die überzeugendste Kombination aus Flexibilität und Pflegeaufwand auf dem Markt.

Was Shopify Ihnen nicht abnimmt: die Architekturentscheidungen. Blended vs. Dedicated Store, ERP-Integration, Rechnungslösung, Checkout-Validation: Das sind konzeptionelle Aufgaben, die vor der Einrichtung geklärt sein müssen. Wer das überspringt, baut zweimal.

Meine Empfehlung: Starten Sie mit dem Blended Store und einem Katalog. Beobachten Sie, wo Einkäufer Reibung erleben, und lösen Sie das gezielt, statt von Anfang an die komplexeste Architektur aufzubauen.

Häufige Fragen

Ist B2B on Shopify auch ohne Plus nutzbar?

Ja, seit April 2026 sind grundlegende B2B-Features (Companies, bis zu 3 Catalogs, Payment Terms, Vaulted Cards) auch auf kleineren Shopify-Plänen verfügbar. Shopify Plus bietet unbegrenzte Kataloge, erweiterte Automatisierung via Flow, Checkout Extensibility und dedizierten Support.

Kann ich B2C und B2B im selben Shopify-Shop betreiben?

Ja, das ist der sogenannte Blended-Store-Ansatz. B2B-Einkäufer loggen sich ein und sehen automatisch ihre Unternehmenspreise und Zahlungsbedingungen. B2C-Kunden sehen den regulären Shop. Für 90 % der Anwendungsfälle ist das ausreichend.

Wie funktioniert die USt-IdNr.-Validierung?

Shopify validiert EU-USt-IdNummern automatisch über das VIES-System der EU-Kommission. Bei VIES-Ausfällen (passiert gelegentlich) schlägt die Validierung fehl. Für Nicht-EU-Steuernummern gibt es keine automatische Prüfung; dort ist manuelle Verifikation nötig.

Welche ERP-Systeme lassen sich nativ anbinden?

Shopify Plus hat native Konnektoren oder zertifizierte Partner für SAP Business One, Microsoft Dynamics 365, NetSuite und Salesforce. Für DATEV und Lexware gibt es Middleware-Lösungen (z.B. via Plentymarkets oder individuelle API-Integration). Ich berate Sie gerne zur passenden Architektur.

Was kostet die Einrichtung von B2B on Shopify durch einen Freelancer?

Eine Basiseinrichtung (Companies, Kataloge, Payment Terms, Theme-Anpassungen) liegt je nach Komplexität bei 2.000 bis 5.000 EUR. ERP-Integration, Custom Checkout-Validation und Rechnungslösungen kommen je nach Anforderung hinzu. Gerne erstelle ich Ihnen ein konkretes Angebot.

Kann ich Mindestbestellwerte pro Unternehmen durchsetzen?

Ja, über Shopify Functions (Plus-exklusiv) lassen sich Mindestbestellwerte und Mindestmengen pro Produkt im Checkout validieren. Ohne Plus ist das nur über JavaScript im Theme möglich, weniger zuverlässig, da clientseitig umgehbar.

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Justin Kreutzmann

Geschrieben von

Justin Kreutzmann

Shopify-Entwickler für Custom Apps, ERP-Integrationen und Prozessautomatisierung. Ich helfe Marken, technische Grenzen zu überwinden: mit Lösungen, die im Alltag von Händlern wirklich funktionieren.

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